geändert 27.11.2008
Egotour 2008
Es war ein ereignisreiches Jahr, und bis vor kurzem stand noch gar nicht fest, ob ich dieses Jahr überhaupt noch einmal auf Tour gehen werde. Geplant war definitiv alles anders: Urlaub zu zweit - aber da ich nun wieder solo bin, ist alles offen.

Irgendwann sitze ich in der Firma vor dem Rechner, höre mir die neuesten Erklärungen an, wie ein Werkzeug ohne eigenes Dazutun seinen Geist aufgibt... und merke, wie dringend ein Tapetenwechsel nötig ist.

In Sekundenbruchteilen entschließe ich mich...

Nach einem Anruf bei der DB-Autozug-Hotline steht fest, dass ich am 12.09.2008 vom Düsseldorfer Terminal in den Süden starte. Da die Fahrt nach Narbonne mal wieder nur zu bekloppten Daten und irren Preisen möglich ist, wird München mein erstes Ziel sein. Das bringt mir auf dem Weg in den tiefen Süden zwar keine Ersparnis, was die Strecke angeht, aber ich bin schon südlicher unterwegs, werde mich mit einer Kollegin unserer dortigen Vertretung treffen, um Ihren Geburtstag bei ein Paar Weißwürsten zu feiern und mal wieder einen "Pflichtbesuch" bei Därrs Expeditionsservice machen. Ich hoffe, den überlebt mein Portemonnaie, denn hier finde ich immer viel zu viel Brauchbares für die Reise.

Auch die Rückreise lege ich schon fest. Am 2. Okt. werde ich den Autozug in Narbonne entern und bin so sicher rechtzeitig wieder zu Hause. Ich denke bei 3 Tagen Reserve, bis ich wieder arbeiten darf, kann diesmal nichts passieren, und ich erspare mir einen weitere Gau in der Firma nach der peinlichen Aktion im letzten Jahr.

Die Weichen sind gestellt...

Die letzten Tage vor dem Start ziehen sich elend in die Länge. Ich habe überhaupt keine Lust zu packen und schreibe unwillig an einer Liste, was mit muss / darf. Nachdem mich Heiko überzeugt hat, dieses Mal auf das Notebook zu verzichten, da der Speicher meines Garmin Colorados ohnehin kein Nachladen von Kartenkacheln bedarf und ich wohl auch mit den CF-Karten meiner Canon EOS 350d auskommen sollte, fallen hier schonmal ein paar Kilo weg.

Ob ich es dieses Mal schaffe, mit Minimalgepäck zu reisen?

Der Start gelingt dann (vermutlich wieder einmal mit zu viel Gepäck) doch sehr gut. Meine besten Freunde sind, wie jeden Freitagabend, zu Besuch, und während wir auf den Pizzaboten warten, wird die Dicke auf den Anhänger von Latus geladen. So kann ich mir eine Nacht mit klatschnassen Sachen im Zug ersparen.

Schade, dass Guido und Alex nicht mit nach Düsseldorf kommen können, aber wir verabschieden uns direkt hier. Latus setzt mich pünktlich in Düseldorf ab, und nachdem die Dicke sicher auf dem Trailer des Zuges verzurrt ist, schleppen wir zusammen das "Handgepäck" in mein Abteil. Dabei kristallisiert sich schon der weitere Verlauf der diesjährigen Tour heraus, als ich feststellen muss, dass wir eine meiner TEVA Sandalen verloren haben. Latus sucht den ganzen Weg vom Auto bis zum Zug ab, aber die Sandale bleibt verschollen - wer braucht eine einzelne Sandale?

Somit muß ich auf die Teile verzichten. Das ärgert mich (dieTeile haben mich die letzten ~10 Jahre auf allen Touren treu begleitet), aber auch meine Abteilnachbarn wird es nicht freuen, dass ich die Reise in meinen neuen Crosstiefeln verbringen werde. Wir sind übrigens eine nette Truppe im Abteil: Zwei ältere Damen aus Düsseldorf auf Ihrer ersten Autozugreise und ein Pärchen auf Tour mit Ihrer Maschine.

Die Nacht ist genau wie gebucht - ich mit meinen 194 cm Körpergröße auf einer (gefühlten) 180 cm Liege. Das ist immer wie verprügelt werden, aber ich komm weiter. Zum ersten Mal funktioniert übrigens die Klimaanlage des Abteils.

Als ich am kommenden Tag in München aus dem Zug steige, trifft mich das zweite Zeichen einer ereignisreichen Fahrt. Meine Kollegin hat ein böses Geburtstagsgeschenk bekommen. Sie liegt mit einem schweren Mirgräneanfall im Bett, und so fällt die Geburtstagsfeier aus. Schade! Ich bestelle ihr durch ihre Tochter beste Glückwünsche zum Geburtstag und wünsche ihr gute Besserung. Wo kann man besser auf die Ladenöffnung vom Därr warten als in der Brasserie Tresznjewski um die Ecke? Während draußen der Regen fällt, meine Maschine beim Därr im Hof steht, schlürfe ich leckeren Café Olé . Ich glaube, der Urlaub hat doch (trotz des Wetters) begonnen.

Im Laden dann bin ich wahrhaftig zu geizig für ein Paar neue Sandalen. Nach ein wenig Stöbern starte ich nun endlich...

Die Fahrt an diesem Tag wird ein echter Kampf - über den Bodensee geht es im strömenden Regen weiter und weiter. Die neuen Alpinestars zeigen mir Ihre Qualitäten - Ich werde wohl nie darin schwitzen - denn sie scheinen sehr durchlässig zu sein. Ich habe binen kürzester Zeit klatschnasse Füße - klar KALT.

Das Colorado ist volltrunken - Obwohl ich Mautstrecken ausgeschlossen habe (Ich zahl nich), schickt mich mein persönlicher Wegweiser stantepede auf die Schweizer Autobahn. NIX da !!!

Ich fahre nach viel Sucherei von Lustenau nach Konstanz, Singen, Villingen, Freiburg (gibts hier nen Laden mit Regenüberschuhen - nicht freitags um die Uhrzeit), Moulhouse und schließlich Belfort. Der Platzwart vom Campinglatz "Les Castors" empängt mich mit "Du willst doch wohl bei dem Wetter nicht Zelten?" und gibt mir einen Platz im alten Waschhaus. Nach 455,3 km beschließe ich den Tag mit ein paar Bissen heimischer Mettwurst, dem letzen Diebels aus dem Düsseldorfer Bahnhof, einer vollen Portion Jam Jam von Christian und einer sehr heißen Dusche und Umcaloabo. Hier ensteht das erste Foto der Tour. Warum Iihr es nicht sehen könnt, später...

Am 14.9.08 geht es nach einer Nacht im trockenen, warmen Raum los. Der neue, leichte Sommerschlafsack hat seine Grenzen bereits aufgezeigt - aber ich will ja in den Süden :-).

Mittags bekomme ich dann endlich völlig blauen Himmel und die Strecke ist auch erste Sahne. Es geht durch das Doubs-Tal nach Besancson und über die N83 über Lyon, Wuppertals Partnerstadt St. Ettienne, Le Puy immer weiter. Ich bin ordentlich durchgefroren, als mich der nun bedeckte Himmel und der starke, kalte Wind darauf hinweisen, dass das Frühstück aus einem heißen Tee, dem letzen Bismarck-Hering nun verbraucht ist. Also leiste ich mir beim Tankstop eine Flasche Wasser und eine Tafel weiße Schokolade (wohl nicht mehr aktuellen Datums). Endlich wird dann auch das Wetter wieder besser, und bei 28° C laut Tacho fühl ich mich wieder besser - aber 28° C ? Nie im Leben!... An der Straße finde ich dann auch eine Anzeige mit 14° C. Das kommt schon eher hin. Somit waren das gestern im Regen dann wohl auch eher 8° C...Brrrrr.

Die Landschaft aber macht richtig Laune. Im gestreckten Galopp spult sich die Landschaft über die N88 über Mende bis zur D901 nach Barsac ab. Nach einigen Versuchen, einen Campingplatz zu finden, lande ich gegen 20:30 auf einem Platz direkt an der Ceze. Mein Xenon Scheinwefer hatte mich hierher sicher durch die Nacht und die letzten Kilometer offroad gebracht. Dank der Niederländer auf der Nachbarparzelle habe ich nun genug Licht, auch mein Zelt aufzubauen. Nach den letzen Happen heimischer Mettwurst und "netter" Kiba falle ich heute nach 712 km in die Pooftüte.

Heute am 15.9. weiß ich genau mein Tagesziel. Nachdem es über kleinste Straße bis nach Las Clauze bei Carcasson gegangen ist, bestelle ich bei Holger schon mal eines seiner berühmten Abendessen für den 1. Okt. So weiß ich, wo ich bei meinem letzten Abend der Tour sein werde und bekomm noch einmal ein super Essen.

Nach dem kurzen meet & greet setze ich mein Fahrt aber fort. Über die D613 geht es weiter über Aix les Thermes nach Andorra. Geil, endlich mal wieder die klasse Alpenstrecke zu fahren!.. Mit meinem Lieblingszeltplatz wirds aber dieses Mal nichts. Der Sommerschlafsack ist einfach nicht kompartibel mit den Temperaturen auf dieser Höhe, und so buche ich mich im Hotel Ruiz zum fairen Preis ein.

27 € inkl. Frühstück und Garage für die Dicke sind schon wirklich OK. Nach 468,6 km heute laufe ich noch etwas durch die unzähligen Läden der Stadt am Pas de la Case und schaue etwas Fernsehn (Das Vierte mit Starsky & Hutch...)

Am 16.09, lasse ich dann doch die Reifen wechseln. Ich war auf fast fertigen Desert / T63 Reifen, gestartet und der neue Satz Reifen begrenzt meine Schräglagenfreiheit doch mehr als Spaß macht. Immer wieder hatte ich gestern auf den Passstraßen aufgesetzt. Nu bloß wech damit! Nachdem ich erkläre, weiter Richtung Marokko zu wollen, bekomme ich in Andorra la Vella einen fetten Offroadschlauch verpaßt. Die ollen Riepen kommen in die Tonne, und ich fahre ab sofort wieder mit voller Stolle. Die Kombination fahre ich sehr gerne, und sie bringt mich noch heut bis ins 335,1 km entfernte Le Hospitalet bei Almeria.

Zuvor versuche ich noch den Pass von Xixerella nach Tor zu fahren, aber leider wird das letzte Drittel der Strecke gerade betoniert, und so muss ich wieder alles zurück fahren und kann Andorra nur über die Hauptstrecke verlassen.

Über Taragona und Reus komme ich schließlich zum Platz "Cala d´Oques", und ich liege im Schatten am Meer. Heute schlafe ich sehr gut, während mich die wenige Meter entfernte Brandung in den Schlaf singt. Dass ich hier für die Nacht gerade Mal 7 € weniger bezahle als im Hotel in Andorra, ist bitter, die Lage aber unübertroffen.

Obwohl ich für heute (17.09) Elche als Tagesziel eingeplant habe, schieße ich über´s Ziel hinaus und fahre 656,6 km bis nach San Jose. Die Strecke geht super gut voran. Über die Autovia spule ich die nur so ab. Richtig warm ist es geworden, und nach einer Flasche Cruz Campo und einem Abendessen vom MSR Kocher genehmige ich mir an der RED Fisch Bar noch zwei Vino Tinto. 3 € - Bingo.!Was will man mehr? Es ist fast ein Jahrzehnt her, dass ich auf dem Campingplatz Tau war. Dass ich mich aber daran erinnern kann, kommt nicht von ungefähr. Immer noch bevölkern Hippies und Rasta-Bezöpfte den Ort, und hier fühlt sich wirklich alles nach Urlaub an. Das Wetter ist endlich einmal mit mir (außer in der Nacht), und ich fühle mich pudelwohl! Da ich erst am Samstag bei Klaus (el Aleman) in Coin erwartet werde, entschließe ich mich, einen weiteren Tag zu bleiben und verbringe diesen ohne die Dicke einen Kilometer zu bewegen am Strand. Jo - das ist Urlaub! :-)
Ich schwimme ausgiebig im Meer, esse Eis und kaufe mir einen Spiegel, in dem ich fleissig lese, ein Paar neue Billig-Latschen. Der gerade gekaufte Tabasco und der Vino Tinto passen gar nicht mal so schlecht zum Cous Cous mit Thunfisch. Ich schlafe gut und bin früh wieder auf den Beinen.
Am 19.09. ruft die ST und es geht weiter in den Süden. Dank der Autobahnen sind die 350 km schnell geschafft und so lasse ich mir Zeit. Gegen 13:30 treffen wir uns am Lidlmarkt der Stadt, und das Wiedersehen ist ein grosses Hallo. Abends wird auf Don Klausos Grill so manches Sparrip gegrillt und das ein oder andere Bierchen findet in meinem Bauch seinen neuen Platz. Weil es morgen eine Grillparty bei Klaus geben wird, ist klar, dass ich einen zweiten Tag hier verbrigen werde. So geht´s mit seinem Discovery am nächsten Tag zum Einkaufen und in die City. Auch ein Bad in Thilos Pool wird eingelegt. Die Party ist natürlich ein voller Erfolg und wir rocken die Finca.
Weiter gehts im zweiten Teil... soon