Der Abend steckt mir gar nicht einmal so in den Knochen, denke ich morgens beim Wachwerden. Dank der Taucheruhr, welche ich für die Reise in der Bucht ersteigert habe (auf der Regenfahrt zwischen München und Belfort gab sie den Geist auf), weiß ich auch nicht, wann das Gelage geendet hatte..Aber gut wars und im Geiste höre ich noch immer den Rock und die Rips auf dem Riesengrill brutzeln.

Aber trotz allem ruft die Piste. Schon der Track vor dem Gartenzaun lässt nicht nur die Stollen meines Desert mit den Hufen scharren. Ich packe also meine Sachen zusammen und schon als ich die Tür zum Garten öffne, prahlt die andalusische Sonne von den tollen Tagen, die mich auf dem Weg in den Süden erwarten.
Es dauert nicht lange und die Dicke ist bepackt. Der Abschied zieht sich, aber irgendwann brüllt der Zweizylinder auf, und im Rückspiegel sehe ich noch die winkende Truppe, während mich meine Staubfahne die Piste entlang bis zur Straße nach Tarifa begleitet. Sicher komme ich irgendwann wieder...
Seit ca. 11:30 bin ich unterwegs und genieße das Wetter. Die Nacht hatte es noch geregnet und die Luft ist klar. Gemütlich cruise ich die 150 km weiter nach Tarifa, genieße den Nachmittag am Strand und schwimme mit den Wellen um die Wette. Erst als der Himmel verdächtig dunkel wird, laufe ich zurück auf den Zeltplatz "Rio Jara" bei Tarifa und spanne alles, was die Leinen hergeben. Ich denke, da kommt was Dickeres...
Nachdem ich gekocht habe (der Himmel hält noch dicht), schnappe ich mir die Kopflampe und jogge am Strand entlang. Etwas Bewegung kann nicht schaden und bei der abendlichen Runde wird mir auch klar, dass ich morgen auf die Fähre nach Tanger steigen werde. Erst als ich im Zelt liege, eine Email via Handy geschrieben habe und langsam "rüber rudere", öffnet der Himmel seine Pforten. Wie gewohnt hält das Vaude Zelt aber dicht.

Nachdem ich am Schalter der Fähre ein Ticket erstanden habe und noch gut eine Stunde bis zum Verladen Zeit habe, setzte ich mich auf ein letztes spanisches Frühstück ins Cafe Central in der Nähe des Hafens. Während der frisch gepresste Orangensaft meine Vitaminbank auffüllt, schreibe ich rudelweise Karten. Auch einen Briefkasten finde ich noch, und keine Stunde später gehe ich in Tanger an Land. Die Imigration ist schnell erledigt, und ausnahmsweise hatte ich den Agenten gegenüber nicht für ihre Hilfe zu zahlen. Somit sind wir quitt, denn sie haben versprochen "no Money" zu verlangen :-)

Der Tag will genutzt werden und ich möchte so tief wie möglich in den Süden kommen. Viel Zeit habe ich bereits in Spanien gelassen und so nutze ich zum ersten Mal die marokkanische Autobahn. Die ist wirklich sehr gut und ich komme schnell voran. Der noch in Tarifa gefasste spanische Sprit verlässt mich allerdings kurz vor Casablanca und ich fahre schon in Mohamedia ab. Wenn ich bisher auf allen meinen Reisen den Verkehr von Biaritz als am schlimmsten empfunden hatte - dieser hier ist die absolute Krönung. Es ist Feierabend verkehr und, weil Ramadan, will jeder so schnell wie möglich nach Hause, denn es lockt ein Essen mit der Familie, Freunden... Jeder scheint beim Fahren das Messer zwischen den Zähnen zu haben. Die Lkws stoßen schwarze Wolken aus, als ob sie mit einer Sonnenfinsternis konkurrieren wollen und der vorgeschriebene Minimalabstand der verschiedensten Verkehrteilnehmer scheint ungefähr eine Handbreit zu betragen - also genau mein Ding. Nachdem ich getankt habe, "kämpfe" ich mich wieder zur Autobahn durch, aber finde keine Auffahrt. Shit!
Da die Stadt aber scheinbar übergangslos in Casablanca übergeht, stehe ich plötzlich vor der überwältigenden Moschee Hassan 2.

Das Gebäude ist wirklich beeindruckend und ich mache mich direkt auf die Suche nach einem Campingplatz, um hierhin noch einmal zu Fuß zurück zu kehren.
Leider ist das aber eine unlösbare Aufgabe, denn ohne einen vernünftigen Reiseführer (habe ich alle zu Hause gelassen) ist kein Platz zu finden.
Nachdem ich die Küstenstraße zigmal abgefahren bin, gebe ich die Suche schnell auf und checke im Hotel Bellerive ein. Hoffentlich gewöhne ich mich nicht an den Komfort :-)
Schlussendlich bleibe ich aber dann doch noch im Hotel, schaue TV, esse gemütlich auf dem Balkon mit Sicht auf das Meer und die Lichter der Stadt und genieße es, im Trockenen zu liegen, während draußen mal wieder der Regen den Staub des Sommers abwäscht. Dann kann ich noch 2 Minuten mit zu Hause telefonieren und sende eine Email hinterher.
Ich liege noch ne ganze Zeit lang wach - die 387,6 km des Tages haben zwar ordentlich geschlaucht, aber ich sinniere darüber nach, ob das alles einen Sinn macht, nach Marokko gefahren zu sein. Mach ich das für mich? Hier in Afrika zeigt sich nun wirklich, was es heißt, solo unterwegs zu sein. Das fängt bei Stopps zum Shoppen und Ansehen an und hört bei der Schlafplatzsuche noch lange nicht auf. Schließlich ist auch die Wahl der Strecke abhängig davon, ob man mit mehreren reist oder alleine. Eine Panne oder ein Unfall in der Einsamkeit der Wüstenpiste ist da schon eine andere Qualität, und so wird dieses Mal die Sicherheit von Mann und Maschine ein oft gefragter Ratgeber sein. So werde ich, was ich an Marokko so interessant finde, in der verbleibenden Zeit kaum schaffen...

Ich entschließe mich, morgen zum Hotel Tazi nach Marakech zu fahren. Dieser Schlafplatz ist mir recht, die Dicke steht sicher in der Garage (wie hier), und zu Fuß kenn ich mich aus und kann ganz nach meinem Geschmack durch die Medina schlendern. Der starke Regen auf der Autobahn durchnässt mich zum Glück nicht und in Marakech begrüßt mich die Sonne. Im Hotel ist viel erneuert worden. Die Garage ist einem Neubau gewichen und ich parke die Dicke in einer stockfinsteren Tiefgarage... Dann geht's ab in die Medina. Ich kaufe Gewürze, Tuch, eine Teekanne sowie eine Sonnenbrille . Die ~300 Autobahnkilometer des heutigen Tages haben schließlich noch viel vom Tag übrig gelassen. Ich kaufe kräftig ein und mache Fotos wie wild. Natürlich esse ich wieder einmal auf dem Djemma el Fna köstlich. Obwohl noch bis spät nachts überall gefeiert wird und ich kein Auge zu machen kann, weil es megawarm ist, stell ich den Wecker des Handys auf 5:45. Schließlich will ich weiter kommen.
Ich wundere mich dann aber doch, als ich gegen 6:15 in der Lobby stehe und alles in der Dunkelheit schläft. "You want to Leave ? Now?" werde ich gefragt und ich bejahe das resolut.Wenn die Jungs bis in die Puppen feiern können, können Sie auch morgens fit sein, denke ich und zahle vergnügt. Dann geht es raus aus der Garage und durch den stockfinsteren Morgen über menschenleere Straßen gen Fes.... Die Rosenblüten, mit denen meine Dicke zuvor zum Abschied geschmückt wurden, flattern dabei im Fahrtwind.
Die bekannte Strecke genieße ich 475 km lang. Besonders die marokkanische Schweiz (Isfane) hat es mir angetan und ich frage mich kurz danach, was mich weiter getrieben hat und warum ich nicht auch hier einen Tag verbracht habe, denn das Wetter spielt mit und ich habe viele Blicke für die Landschaft übrig. So hole ich auch immer wieder den Fotoapparat hervor und knipse, was das Zeug hält. Beim Fahren überlege ich immer wieder, ob die Strecke die richtige Wahl ist, denn eigentlich wollte ich doch das Dratal wiedersehen und Ksa Sania einen Besuch abstatten....
In Fes suche ich lange nach dem Zeltplatz, denn ich bin auf der "falschen" Seite der Stadt rein gekommen. Weil ich mich aber erinnere, dass der Camping International de Fes am Center Sportif liegt, finde ich zu guter Letzt nach dem MC-Donald auch den Platz wieder. Zuvor filme ich noch mit der Helmkamera meinen Einkauf im freundlichen "Supermarkt", wie gestern die Kilometer durch die Souks von Marakech.
Der Zeltplatz war bei meinem letzten Besuch schon nicht wirklich einladend, dieses Jahr ist es nicht verführerischer geworden. Dabei ist außer mir nur noch ein Paar aus MK mit seinem VW-Bus da. Erst morgens am 25.9. kommen wir aber dazu, etwas zu quasseln und tauschen Erfahrungen aus. Die beiden empfehlen mir den marokkanischen Ballermann östlich von Nador zur algerischen Grenze hin, und ich entscheide kurzfristig ,doch nicht eiter in den Süden nach Source Bleu de Meski zu fahren, sondern Guarcif anzusteuern. Ich gebe der ST also die Sporen, und unter dem Ballern des Arrow katapultiert mich meine treue Gefährtin weiter durch die Landschaft. In Tadert fällt mir dann wieder die Postkarte für meine Mutter ein, die ich noch vom Djemma el Fna in der Tasche habe und ich steuere die Post an, nachdem ich wenige Kilometer zuvor noch eine Gruppe Esel am Straßenrand fotografiert habe.
