EGOTOUR
Am 23.09.2007 ist es soweit. Ich kann dem Angebot des Autozuges nicht länger widerstehen und fahre mit meiner Dicken nach Düsseldorf, um dort den Autozug zu besteigen. Während die Dicke fachkundig auf dem Trailer des Zuges verzurrt wird, um sich völlig entspannt in den kommenden Stunden nach Livorno karren zu lassen, ziehe ich ins Liegewagenabteil ein, quassel mit meinem Mitreisenden, lese den aktuellen Spiegel und freue mich auf /bella Italia./

Am nächsten Morgen falte ich meine Beine wieder in funktionsfähige Position und knabber mein Frühstück. Die Sonne lacht und sofort schlage ich die Richtung zum Hafen ein. Möglichst noch heute will ich weiter auf die Insel. - welche?

Egal !

Um 17 Uhr ist dann auch Verladung und es geht für schlappe 25,50 EUR nach Oblia in Sardinien.

Als die Fähre dann ihren Bauch öffnet und mich an Land brummen lässt, ist die Entscheidung schnell getroffen. In den Süden soll es gehen. Die Straßen Sardiniens haben da aber eine andere Absicht und führen mich ins Landesinnere, zurück nach Olbia, zum Flughafen.... Irgendwann kurz nach 1 Uhr nachts (ich habe bereits den Sardischen Nieselregen bei Nacht kennen gelernt) öffnet mir dann doch noch ein freundlicher Platzwart das Tor zum Campingplatz "Tavolara" in /Loin Porto San Paolo.
Leider darf die Dicke nicht zu mir ans Zelt, aber die kurze Trennung werden wir überstehen. Todmüde falle ich auf die /Term A Rest/. Der erste Sardische Tag vergeht im Nu. Ich kaufe mir eine Sardische Karte und genieße den Blick darauf bei einem Espresso. Nun sind die Weichen gestellt. Ich drehe den Wolken über meinem Espresso den Rücken zu und fahre über feinste Gebirgsstraßen auf die Westküste zu. Sogar einige Schottereinlagen hat man für mich auf der Strecke platziert...
Nur 100 m vom Strand finde ich denn auch einen Zeltplatz und genieße den Sonnenuntergang bei einer Flasche Rotwein. Der geniale "Allradbecher" , welchen ich zu meinem 10-jährigen Tesch-Treff -Jubiläum von Bernd Tesch bekommen hatte begleitet mich zwingend auf jede Reise. Da kommt kein Weinglas und Teller mit. Denn wenn ich schon lange nicht mehr stehen kann, - der Allradbecher tut es.
Nach ein Paar Fotos vom Sonnenuntergang und einer heißen Dusche gegen die Erkältung von der DB-Klimaanlage lege ich mich zufrieden ins Zelt, während der Wind an Zelt und Wäscheleine zerrt.
Dass das Zelt nicht abhebt, ist schon ein Wunder. Aber das /Mark III/ überzeugt eben immer wieder. Der Wind ist nun fast zur Bestform aufgelaufen. Das ist optimal für die Kamera, denn nun ist richtig /Action/ angesagt zwischen den Steinen am Meer. Ich packe nach dem Frühstück und der Fotosafari am Meer und fahre zum Fährhafen.

Das Wetter ist mir einfach zu "heimatlich", und deshalb soll es nach Korsika gehen. Das Surferparadies bei Costa Palau, was ich unterwegs besichtige, ist schon ein Wahnsinn. Die Mädels und Jungs rasen nur so übers Wasser und die /Kiter/ legen die besten Kapriolen hin. Klasse, schon das Zusehen macht Spaß und ich vergesse die Zeit, während die Eos den Speicher füllt.

Meine Route auf Sardinien
Gegen den Wind anfahrend, erreiche ich die Fähre bei /S. Teresa Gallura/. Doch meine Hoffnung, noch heute Korsika zu erreichen, wird mir ganz schnell von der "Ordnungsmacht" hinter dem Schalter der Sardemarfähre zunichte gemacht. "Heute geht keine Fähre mehr. Kommen Sie morgen um 11 Uhr wieder", knattert es mir aus dem Schalterraum entgegen. Ich versuche wenigsten ein Ticket für morgen zu erstehen; das ist aber auch nicht möglich. Mist - jetzt muss ich mir doch noch einen Zeltplatz für die Nacht suchen. Fündig werde ich beim Platz /"La Licca/". Weil ich friere und mich der Wind verfolgt, habe ich wenig Sinn für den nett angelegten Platz. Wie war das noch bei der Anmeldung? "Yes we?ve got a hot shower!" Das ist wirklich nicht gelogen. Selbst bei diesem kalten Wind hätte ich die Außendusche nutzen können, ohne zu frieren. So dusche ich ausgiebig und ziehe mich danach ins Zelt zurück. Der Erkältung rücke ich heute Abend, zum ersten Mal unter der Apsis kochend, mit heißer Zitrone zu Leibe. Draußen tobt der Wind und ich hoffe, die nahe Straße lässt mich trotzdem in den dringend benötigten Schlaf kommen.

Das mit dem Schlaf klappt übrigens gut, obwohl der Schluck Wein zum Einschlafen mit der Diclo-Pille vom Mittag zuvor wenig harmoniert hat. Die Wirkung war dann doch so, dass ich auch Absinth hätte trinken können -.

Am Morgen hat der Wind nachgelassen. Nachdem ich die heiße Zitrone getrunken und ein Nutella-Brötchen gegessen habe, baue ich schnell mein Zelt ab, rödel zusammen und fahre erneut zum Fährbüro. Nachdem die Linie Moby den Betrieb eingestellt hat, ist man hier völlig auf die Linie Sardemar angewiesen. Das bekommt man dann auch zu spüren...
High noon at the Fährbüro könnte man das nennen, was mich nun am Schalter erwartet. Als ich um kurz vor 10 Uhr eintreffe, stehen bereits gut 20 Personen am Schalter. Ich parke meine Dicke voll beladen direkt vor der Scheibe zum Büro, damit ich sie im Auge behalten kann. Nach geduldigem Warten komme ich dran und frage nach einem Ticket nach Korsika. Die Antwort lässt mich fast glatt nach hinten umfallen. Die Ratterstimme sagt: "Heute geht keine Fähre mehr. Kommen Sie morgen um 11 Uhr wieder!" Eigentlich bin ich ja ein friedlicher Mensch, aber jetzt reicht es mir. Ich erinnere daran, dass ich diesen Text schon von gestern kenne und Frau Ratterknatter mich schließlich heute um 11 Uhr wieder bestellt hat. Ein kurzer Blick in ihre Reservierungsliste bringt allerdings nur ein Kopfschütteln zu Tage. Ich bleibe stur, bestehe auf mein Ticket. Sie spricht mit ihrem Chef, und plötzlich geht die Jalousie vor meinem Fenster herunter. Der Chef kommt heraus und befestigt ein Schild direkt vor meinen Augen, frei übersetzt: "Aufgrund der schlechten Wetterlage fällt die Fähre komplett aus!" Das darf doch wohl nicht wahr sein! Die Wartenden mit Tickets werden nun auch nervös.

Jetzt hilft nur Sturheit, denke ich, und belagere weiter den Schalter. Nach 20 Min. wird das Schild nun wieder entfernt, der Schalter geöffnet und die hoch qualifizierte Frage ertönt: "Was wünschen Sie?" Ich bleibe weiterhin äußerlich cool und frage wieder nach meinem Ticket, während die Truppe in der Schlange hinter mit neugierig wird. Da rattert es: "Heute geht keine Fähre mehr. Kommen Sie mor...". Grrrrrr.

Ich frage nach, ob ich richtig verstanden habe, dass die Fähre bereits voll ist und ich deshalb nicht mit kann. Das bestätigt mir liebevoll Frau Ratterknatter. "O.k.", sage ich, drehe mich um und verkünde meinen wartenden Leidensgenossen, dass die Fähre leider ausgebucht ist und keine Tickets mehr ausgegeben werden können. Mein Englisch genügt wohl, um das alles ernst genug vorzutragen, denn plötzlich fragt mich meine neue Freundin mit Ratterstimme, wie viele Motorräder ich denn mit nach Korsika nehmen möchte. Na klar, nur meine geliebte Dicke, äh eine, uno, one ...! Zack, halte ich mein Ticket in der Hand und verlasse siegesgewiss die Schalterhalle - geht doch! -

Das mit einem Bändel verzurrte Motorrad dümpelt im Bauch des Seelenverkäufers, während ich mich oben in der Kantine bei 4 m Seegang meinem Fieber hingebe. Draußen klatscht das Wasser gegen die Fenster, drinnen werden überall komische Tüten konspirativ von Leuten mit grünen Gesichtern gefüllt. Das alles zieht an mir vorüber, denn ich schwitze, was das Zeug hält, während ich mich damit beschäftige, einen festen Punkt am ständig auf und nieder schwankenden Horizont zu fixieren.

Nach etwas über einer Stunde ist das Abenteuer zum Preis von einer Stunde für mehr als sechs (im Vergleich zur Fähre Livorno - Olbia) jedoch bestanden.

Nach einer fantastischen Aussicht auf die Felsküste /Korsikas/ geht es endlich auf zwei Rädern weiter. Vom Regen getrieben, flüchte ich mit der neuen Polo-billig-Regenhose über die N196 bis /Sartene/. Leider hält die Hose keine 20 Min. und das korsische Wasser läuft mir die Oberschenkel hinunter. Heute wird's ein Hotel, sage ich mir, und halte in der Stadt Ausschau. Leider kann ich den Hoteltipp nicht finden und "schwimme" weiter über die N196 bis /Ajaccio/. Das Best Western Hotel hat leider keines der angepriesenen 49 € Zimmer mehr für Motorradfahrer frei (ich triefe vor Nässe), und so stoppe ich erst wieder am Carefour-Markt. Hier leiste ich mir den Luxus eines neuen Regenkombis sowie ein Paar süße Brötchen und O-Saft. Nach diesem Snack geht es wieder weiter. N194, D81... immer weiter bis zum /Golfo/ /di a Liscia/, als mich die Uhr meines Sixo?s anbrüllt, dass es bereits 17:30 ist. Also nehme ich ein Zimmer im Hotel Alegria mit Frühstück und ....hot shower -.

Das Zimmer verwandelt sich in Sekundenschnelle in eine Sauna mit Blitztrockner meiner nassen Sachen, nachdem ich die elektrische Heizung etwas verstellt habe. Die wirklich sehr heiße Dusche bringt meinen tiefgefrorenen Körper wieder auf annähernde Betriebstemperatur. Bei leckerem O-Saft genieße ich mein mitgebrachtes Abendessen, während draußen die Welt untergeht. Nach bebendem Donner und ewig langen Blitzen über dem Meer fällt immer wieder der Strom in der ganzen Stadt aus. Ich schreibe mein Reisetagebuch mit der Kopflampe und schlafe bald ein... Schade, dass ich kein Grillfleisch gekauft habe: die Heizung sprüht fast Funken und nen kleinen Ochsen hätt Sie bestimmt in 5 Min gegrillt.

Folgt mir hier weiter auf Korsika mit Teil 2